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Erste Ideen für ein globales Forschungsnetzwerk zur SocialBar

25. November 2010

Über einen ersten Teil unserer Sessions am vergangenen Freitag auf dem Berliner SocialCamp hatten wir bereits berichtet. Es gibt aber noch mehr: Neben der Diskussion von Ansatzpunkten für die Weiterentwicklung der einzelnen SocialBars auf der Grundlage unserer Forschungsergebnisse, kam auch die Idee eines transparenten Forschungsnetzwerkes zur Sprache, das sich des Formates an den verschiedenen Standorten annimmt und zu dessen systematischer Weiterentwicklung beiträgt.

Durch das Prinzip des Social Franchise gibt es die SocialBar bereits in 14 — meist größeren — Städten, von denen die meisten mindestens eine Hochschule (BA, FH oder Uni) haben. Diese lokale Anbindung an Forschung und Lehre sollte ernsthaft genutzt werden. Hier steckt viel Potential! Auf der einen Seite ist die SocialBar als informeller Lernort und Abwandlung des sich rasant verbreitenden BarCamp-Formates für Forscherinnen und Forscher recht attraktiv, auf der anderen Seite werden in vielen — vor allem geistes- und sozialwissenschaftlichen — Studiengängen Projektmodule implementiert, in denen die Studierenden das Forschen lernen sollen.

Nun können wir natürlich nur von unseren eigenen Erfahrungen sprechen, doch das hochschultypische Für-Die-Schublade-Arbeiten finden wir weitgehend frustrierend. Die hochschulinterne Studienberatung zum 204ten Mal zu beforschen um schließlich zum 205ten Mal festzustellen, dass sie so nicht funktioniert, erscheint uns als blanke Ressourcenverschwendung. Sicherlich wird der ein oder andere kritische Geist hier einwenden, dass studentische Forschungsergebnisse nicht uneingeschränkt ernst zu nehmen sind, weil sich die Studies zum einen nicht 100%ig auf das Forschungsthema einlassen können (sie haben ja auch noch anderes zu tun) und zum anderen als Forscherinnen und Forscher in Ausbildung mit zu Sicherheit neigender Wahrscheinlichkeit Fehler machen. Das mag auch richtig sein, doch glauben wir gerade mit der Idee eines Forschungsnetzwerkes hier gegensteuern zu können.

Die Idee ist recht einfach: Interessierte Orga-Teams nehmen im ersten Schritt Kontakt mit den ansässigen Hochschulen auf und stellen die SocialBar als potentielles Forschungsfeld vor. Dabei gilt es natürlich die SocialBar scientifical sexy anzupreisen, also als Forschungsgegenstand besonders interessant zu machen. Ansatzpunkte könnten dabei folgende sein:

  • Das SocialBar-Team ist an Forschung grundsätzlich interessiert, steht Rede und Antwort und Hilft bei der Suche nach Netzwerkpartnerinnen und -partnern.
  • Die SocialBar ist ein recht neuer, alternativer Lernort, der sich gegenüber herkömmlichen Formaten wie Stammtischen durch seine Offenheit auszeichnet.
  • Das SocialBar- und BarCamp-Format ist noch nicht umfassend beforscht. Man kann hier noch neues herausfinden.
  • Die SocialBar ist ein Treffpunkt vieler Partnerinnen und Partner, die auch für berufliche Entwicklungsperspektiven der Forschenden interessant sein könnten.
  • So die Ergebnisse qualitativ gut sind, haben sie gestaltende Auswirkungen (impact) auf die SocialBar (vor Ort oder auch global).
  • Vorgängige Forschung zur SocialBar ist einfach zu finden, bei Fragen und Problemen wird geholfen.

Im zweiten Schritt muss es gelten über die Konditionen eines netzförmigen Miteinanders nachzudenken. Soll um die SocialBar ein globales Netzwerk von Forschenden aufgebaut werden, müssen vor allem die Forschenden selbst dieses Netzwerk speisen — wobei im Sinne der eben genannten Bereitschaft sich beforschen zu lassen natürlich auch die Orga-Teams angesprochen sind. Durch die regelmäßige Berichterstattung über die eigene Arbeit, die Bereitstellung und Diskussion der Ergebnisse (online wie offline) und die Bereitschaft — zumindest eine gewisse Zeit — nach der eigenen Arbeit Hilfestellung für andere Forschende zu geben könnte ein verlässliches Netzwerk aufgebaut werden, mit dem wiederum neue Forschungsteams gewonnen werden können.

Es gilt also über so etwas wie einen Forschungsvertrag nachzudenken, mit dem die wissenschaftliche Evaluation und fundierte Weiterentwicklung der SocialBar effizient und nachhaltig gestaltet werden kann. Folgende drei Punkte könnten für solchen Vertrag Denkanstöße bieten:

  • Die Forschenden berichten regelmäßig und öffentlich über ihre Arbeit. Dabei können alle Bereiche des Forschungsprojektes von den Methoden über die impliziten Vorannahmen und die Arbeitsorganisation bis zu Dokumentensammlungen und (Zwischen)Ergebnisse Thema sein.
  • Die Forschenden verpflichten sich ihre Ergebnisse — zumindest im Ausschnitt — unter einer offenen Lizenz (CC) öffentlich zur Verfügung und Diskussion zu stellen. Sollten die Ergebnisse nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen (das entscheidet natürlich der begleitende Prof.), sollte Nachfolgenden zumindest ein lesson learnd unter gleichen Bedingungen bereit gestellt werden.
  • Die Forschenden verpflichten sich für eine gewisse Zeit nach Abschluss ihrer Arbeit für Fragen und Hilfestellungen zur Verfügung zu stehen. Dabei sollten sie andere Forschungsteams vor allem an die richtigen Ansprechpartner(innen) bzw. Quellen verweisen als selbst Lehrerinnen und Lehrer zu spielen.

Als zentraler Knotenpunkt eines SocialBar-Forschungsnetzwerkes könnte dieser Blog hier dienlich sein. Ein potentielles Vorbild könnte bspw. der zentrale — recht wüst aussehende — Blog der NPO-Blogparade abgeben. Dieser wird vor allem durch automatische Rückverlinkungen (Trackbacks) von anderen Blogs gepflegt und so zu einem aktuellen Inhaltsverzeichnis laufender und abgeschlossener Runden, was sich auch auf aktuelle und vorgängige Forschungsprojekte übertragen ließe. Eine andere Variante wäre das Modell eines Hostblogs, auf dem die regelmäßigen Updates veröffentlicht werden und der komplett unter Creative Commons Lizenz gestellt werden könnte.

Schlussendlich bleiben alle vorgeschlagenen Punkte natürlich diskussionswürdig. Inwieweit sich die einzelnen SocialBar-Orgas bereit erklären die Kontaktaufnahme mit ansässigen Hochschulen zu stemmen (Und das ist erfahrungsgemäß keine ganz einfache Aufgabe!) muss ihre jeweilige Entscheidung bleiben. Mit einem Web web-basierten Forschungsnetzwerk — das sei aber noch abschließend erwähnt — würde die SocialBar-Bewegung aber einen konsequenten Schritt machen, der auch ihren alternativen Charakter und den Anspruch der Vermittlung neuer Wege der Kommunikation, Kooperation und Kollaboration (in diesem Fall an die Wissenschaft) widerspiegelt. Was meint ihr?

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SocialCamp Session(s) zum Forschungsprojekt

21. November 2010

Am Freitag – Tag 1 des Berliner SocialCamps 2010 – wollten wir die zentralen Ergebnisse aus unserem Forschungsprojekt Wissenstransfer aus der SocialBar noch einmal vor- und im Rahmen einer Session zur Diskussion stellen. Hauptsächliches Ziel war es, unsere Forschungsergebnisse nun auch Organisatorinnen und Organisatoren anderer SocialBars vorzustellen und zu fragen, ob und inwiefern sie auch außerhalb Berlins zutreffen. Dazu gleich das erste Fazit: Im Rahmen der lokalen Gegebenheiten schienen unsere Ergebnisse durchaus auch auf die SocialBars in Stuttgart, Bonn und Nürnberg übertragbar. Wie so oft muss es aber heißen: Еs kommt darauf an! So spielt bspw. eine gewichtige Rolle, wie lange es die jeweilige SocialBar schon gibt, in welchen Abständen sie stattfindet und wie viele regelmäßige, wie viele sporadische Teilnehmerinnen und Teilnehmer es gibt.

Zeitlich haben wir den Diskussionsbedarf etwas unterschätzt. Eigentlich nicht verwunderlich, reden wir hier doch von Profi-Networkerinnen und -Networkern, die alle von vielen verschiedenen Ansätzen berichten konnten und wollten. Unser Anliegen, die Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die SocialBar auf der Basis unserer Forschungsergebnisse auszuloten, haben wir so also nicht in eine einzelne Session bekommen. Das SocialCamp wäre aber natürlich auch nicht das SocialCamp und die SocialBar-Orgas nicht geübte BarCamperinnen und -Camper, hätten wir hier nicht flexibel reagieren können. Unseren Sheet „#Forschungsprojekt #SocialBar“ ließen wir einfach zum zweiten Mal in einen anderen Slot auf dem Session-Grid wandern (beim ersten Mal war die Konkurrenz einfach zu groß 🙂 sodass wir unsere Diskussion auch noch kurz auf die Idee eines SocialBar-Forschungsnetzwerkes ausweiten konnten. (Dazu aber mehr in einem anderen Beitrag.)

In der ersten Session (14-14:45 Uhr) beschränkten wir uns zunächst darauf das zentrale Ergebnis aus unserer Forschung – die Orientierung als größtes Lernangebot der SocialBar – vorzustellen. Wir hatten ja schon auf der Berliner SocialBar von der Wichtigkeit der Orientierungsleistung für eine entspannte Teilnahme gesprochen. Im Gegensatz allerdings zu diesem 10-minütigen Input, bei dem wir uns auf die Metapher des Schlaraffenlandes beschränken mussten, griffen wir diesmal etwas weiter in die Theoriekiste: Im Anschluss an unserer Forschungsergebnisse konzeptualisierten wir die SocialBar als „Ort posttraditionaler Vergemeinschaftung“ was eigentlich nicht viel mehr heißt, als dass sich auf der SocialBar – wie auf dem SocialCamp übrigens auch – die Mitglieder einer Gemeinschaft, einer Szene oder auch eines Neo-Tribalismus treffen, die sich um einen bestimmten Themenschwerpunkt gruppieren; nämlich den Einsatz neuer Medien in zivilgesellschaftlichen Kontexten.

Unseres Erachtens mussten die Weiterentwicklungsbestrebungen der einzelnen SocialBars also dort ansetzen, wo die Orientierung für neue Teilnehmende erleichtert werden kann. Nur mit der Orientierung und Aktualisierung der Szenetypischen Formen, Themen und Techniken schließlich können neue Besucherinnen und Besucher der SocialBar an der sich dort versammelnden Gemeinschaft – die ansonsten eher in virtuellen Räumen performiert wird – teilnehmen. In diesem Sinne sind also eigentlich nur orientierte Besucherinnen und Besucher der SocialBar-Veranstaltungen tatsächlich Teilnehmende.

Die zum Ende unserer ersten Session begonnene Sammlung von Ansätzen, die (ganz intuitiv) in Stuttgart, Nürnberg, Bonn und Berlin bereits implementiert wurden, setzten wir in der zweiten (16:30-17:15 Uhr) fort. Wir konzentrierten uns dabei auf das Ansprechbar machen, das Erzeugen von Anschlussfähigkeit, die Motivation zum Wiederkommen und die Struktur. Die Sammlung der einzelnen Stichpunkte wollen wir im Folgenden kurz kommentiert vorstellen. Gern kann die Liste, die sich im Wiki der SocialBar sicherlich besser diskutieren und beschreiben lässt, per Kommentar noch erweitert werden.

(1) Neue SocialBar-Besucherinnen und -Besucher ansprechbar machen.

Häufig kennen neue Besucherinnen und Besucher der SocialBar schon Teilnehmende, von denen sie nicht selten auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht wurden. Um aber auch von anderen, ihnen (noch) unbekannten Teilnehmenden und Besuchenden angesprochen werden zu können, werden verschiedene Ansätze bereits erprobt bzw. sind bereits etabliert:

  • Namensschilder (evtl. auch mit thematischer Kennzeichnung)
  • Murmelrunden („Such dir einen Unbekannten und stell dich vor“)
  • Mentorinnen und Mentoren / Patinnen und Paten (als Begleitende fr die ersten SocialBar-Besuche)

(2) Erzeugen von Anschlussfähigkeit

Der Punkt der Erzeugung von Anschlussfähigkeit ist das genaue Negativ des Ansprechbar-Machens. Hier gilt es nicht andere auf Neue aufmerksam zu machen, sondern die Hemmungen aktiv auf andere Besucherinnen und Besucher zuzugehen abzubauen. Genannt wurden:

  • persönliche Begrüßung (inkl. eines kurzen Überblicks über das Veranstaltungsformat)
  • Web 2.0ige Stimmung erzeugen (familiäres / lauschiges Wohlfühl-Ambiente)
  • Vorstellungsrunde

(3) Motivation zum Wiederkommen

Viele Besucherinnen und Besucher der SocialBar sagen nach ihrer ersten oder zweiten Veranstaltung, dass die SocialBar ein sehr angenehmer und ergiebiger Lernort ist. Negative Kommentare sind eher selten. Dennoch kommen viele dieser Lobenden nicht wieder. Warum? Fehlt vielleicht der follow-up (?) oder war es dann doch nicht so interessant? Während unserer Erhebung ist uns aufgefallen, dass sich die Interviewpartnerinnen und -partner am Ende des Monats gar nicht mehr wirklich an die Inhalte der letzten SocialBar (in Berlin jeden ersten Dienstag im Monat) erinnern konnten. Irgendwie schien die Gegenwärtigkeit der Themen über den Monat hinweg abzunehmen. Um dem entgegen zu wirken, wurden folgende Punkte genannt:

  • Mailing-Liste ausbauen (mit persönlicher Ansprache und dem Link zur inhaltlichen Dokumentation vom letzten Mal)
  • Social Media Strategie (als kommunikatives follow up)
  • Social Reporting / Anekdoten-Sammlung (als Werbung für den [eher diffus wahrgenommenen] Networkingfaktor)

(4) Struktur

Eine klare und transparente Struktur schafft Sicherheit. Diese Erkenntnis aus der Moderation ist auch auf die SocialBar übertragbar. Erfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer können mit Strukturänderungen sicher umgehen, weil sie ziemlich genau wissen, wie sie was und auf welchem Wege (Formen, Themen & Techniken) miteinander besprechen können. Bei neuen Besucherinnen und Besuchern schaffen Strukturänderungen eher Unsicherheit und vielleicht auch Unwohlsein. Als Ansätze wurde hier genannt:

  • Sehr vorsichtig mit Strukturänderungen umgehen und lieber einmal mehr als einmal zu wenig erklären was geschieht / was geplant ist. (Auch die hier auftauchende Redundanz muss nichts schlechtes sein ‚Redundanz schafft schließlich Gemeinschaft‘ [Niklas Luhmann])
  • Linksharing / Websitekaraoke (als Möglichkeit sich das erste Mal vor das Plenum zu stellen und zu merken, dass es Spaß macht)

Wie gesagt, wir sind für Anregungen und Ergänzungen (auch aus anderen SocialBars) dankbar…

Twitter-Dokumentation des dritten Berliner SocialCamps (19. & 20. Nov. 2010)

21. November 2010

Nach zwei Tagen auf dem Berliner SocialCamp, viel Input und noch viel mehr Diskussion ist der heutige Sonntag der Dokumentation gewidmet. Da Tweets von vor drei Tagen leider nur all zu häufig im Twitter-System verschwinden und für Suchmaschinen wie search.twitter.com nicht mehr auffindbar sind, stand die Twitter-Doku gleich ganz oben auf der sonntäglichen To-Do-Liste. Wie auch bei der Dokumentation der SocialBar wurden nur die Tweets aufgenommen, die (a) mit dem entsprechenden Hashtag – hier natürlich #scb10 – gekennzeichnet wurden und (b) nach 12 Uhr des Vortages und vor 12 Uhr des Folgetages erschienen. Bis auf die Avatar-Thumbnails, die zu visueller Übersicht beitragen sollen, wurde die Textbasierung des Kurznachrichtendienstes Twitter insofern gewürdigt, als das jedweder automatisch erzeugter Klimbim (z.B. „tweeted 2 days ago“, „from Berlin Mitte“, „(expand****)“ usf.) herausgelöscht wurde.

Twitter Dokumentation SocialCamp 2010 [pdf]

Twitter-Doku #scb10

Bild anklicken um zur Dokumentation zu gelangen