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Auswertungsphase: Methode und Vorgehen

20. August 2010
Da hatten wir eine halbe taz im Spitzer

Da hatten wir eine halbe taz im Spitzer

Seit nunmehr zwei Wochen sind wir schon in der dritten Phase unseres Forschungsprojektes „Wissenstransfer aus der SocialBar“, das mittlerweile den präzisierenden Untertitel „eine qualitative Studie zu den Nutzungsgewohnheiten von Teilnehmenden“ trägt. Gern wollen wir an dieser Stelle von unserer so arbeits- und zeitaufwändigen wie spannenden Auswertung berichten. Natürlich können wir an dieser Stelle noch nicht von Erkenntnissen sprechen — möglich sind aber Fragen, die wir auch schon in die Twitter-Community gaben (in dieser Reihenfolge):

  1. „Wie wichtig ist der Inhalt der Vorträge auf der SocialBar?“
  2. „Welche Tragweite haben informelle Absprachen auf der SocialBar?“
  3. „Findet die SocialBar im realen Leben statt oder ist sie so etwas wie ein Außenposten des Cyberspace?“

Wichtig zu wissen hierbei: Diese Fragen haben wir uns nicht einfach ausgedacht. Sie ergaben sich bei der noch sehr ausführlichen Analyse unseres ersten Eingangsinterviews. „Ergaben“ heißt hier auch nicht, dass sie von der Interviewpartnerin (wir verwenden hier einfach mal das generische Femininum) gestellt wurden — nicht einmal indirekt. Vielmehr stießen wir bei der Analyse auf Brüche und Widersprüchlichkeiten, aus denen sich eben diese Fragen ergaben.

Im Rahmen unseres Forschungsprojektes ist es nun nicht das Ziel auf diese Fragen eigene, rationale, logische, schlüssige Antworten zu finden. Von Beginn an waren wir darauf aus Geschichten, Berichte und Anekdoten unserer Interviewpartnerinnen zu dokumentieren, in denen sich ihre Sicht — ihre Konstruktion von Welt — widerspiegelt. Die Interaktionen auf der SocialBar und damit auch ihr Erfolg hängen schließlich zuallererst von eben diesen Vorstellungen und den daraus resultierenden Nutzungsarten ab — nicht von irgendeiner allgemeingültigen Ratio.

Diese Art der qualitativen Interview-Analyse geht weit über die einfache Wiedergabe von Expertinnen-Interviews hinaus. Auch wenn hin und wieder einige wichtige Hinweise in unseren Interviews auftauchten, ist es nicht nur das Was sondern auch das Wie und Von Wo (aus welcher Position) gesprochen wurde, das uns wichtig ist.

Doch wie funktioniert das nun? Für an der qualitativen Forschung Interessierte hier ein Abriss über unsere Auswertungsmethode:

Unsere Auswertungsmethode basiert auf der Grounded Theorie von Glaser/Strauß. Ziel dieser Methode ist es eine gegenstandsverankerte Theorie zu entwickeln. Anhand der erhobenen Daten — in unserem Fall mehr als 20 Interviews und drei ausführlich dokumentierten SocialBar-Veranstaltungen — werden Kodes gebildet, aus denen anschließend die Theorie entsteht.

Zunächst mussten wir dafür die Interview-Transkripte thematisch gliedern. Die Gliederung nach Ober- und Unterthemen half uns einen Überblick über die zwölf bis zu 17-Seitigen Transkripte zu bekommen und eine Textauswahl gemäß unserer Forschungsfrage zu treffen. Wir stellten jeweils drei Textauswahlen zusammen:

(a) Input und Diskussion: Was wird vermittelt?
(b) Networking und informeller Austausch: Was wird vermittelt?
(c) Transfer in die Organisation: Wie gestaltet sich der Transfer?

Die Textauswahlen unseres ersten Interviews — wir entschieden uns einfach für das umfangreichste — nahmen wir sehr genau unter die Lupe. Wir zerlegten jede Textstelle in mehr oder weniger lange, sinnhafte Einheiten, die wir im Anschluss einzeln von oben nach unten und links nach rechts kodierten (bzw. analysierten). Auf diese Weise wurden wir auch auf interessante Brüche und Widersprüche aufmerksam, die wir sonst wahrscheinlich überlesen hätten. Diese besonders interessanten Stellen, nahmen wir uns dann auch teilweise Wort für Wort vor.

Aus den handschriftlich erstellten Kode-Notizen — teilweise zehn und mehr Seiten mit Bleistift beschriebenes Papier pro Textauswahl — erarbeiteten wir Kodes, die auf eine etwas abstraktere Ebene abhoben, sich aber weiterhin durch den Text belegen ließen. Ziel dieser zweiten Ebene der Kodierung war es vom einzelnen Fall, dem Fall unserer ersten Interviewpartnerin, auf eine etwas allgemeinere Ebene zu kommen.

Anhand dieser abstrakteren Kodes, untersuchen wir in den folgenden Tagen die anderen Interviews auf mögliche Übereinstimmungen bzw. — noch viel interessanter — Kontraste. Da wir verschiedenen Nutzungsarten regelmäßiger Teilnehmerinnen der SocialBar auf der Spur sind, suchen wir in unserem Material nach dem größt-möglichen Kontrast. So hoffen wir am Ende unserer Auswertung nicht nur vom Was und Wie der SocialBar, sondern auch von einer Spannbreite möglicher Nutzungsarten der SocialBar berichten zu können.

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Geschichten aus der SocialBar

14. April 2010

Das Konzept für die ersten Interviews zu unserm Forschungsprojekt steht. Es soll um die ganz individuellen Interessen der Teilnehmenden, um die organisationale Struktur und natürlich um gemachte Erfahrungen mit der SocialBar gehen. Bei diesen einleitenden Interviews haben wir uns für retrospektiv fokussierte Leitfadeninterviews mit narrativem Charakter entschieden, weil wir davon ausgehen müssen, nicht gleich auf Anhieb die richtigen Fragen stellen und Ansatzpunkte finden zu können. Das freie Erzählen wird hier von besonderer Bedeutung sein. Nicht von ungefähr also der Titel „Geschichten aus der SocialBar“.

Da der Besuch des noch sehr neuen Veranstaltungsformats „SocialBar“ noch keinen Eingang in die Aufgabenbereiche von NPO-Mitarbeitenden gefunden haben dürfte — ihre Teilnahme also wohl nicht als Arbeitszeit oder Bildungsurlaub durchgeht — gehen wir davon aus, dass die Teilnahme-Motivation hauptsächlich persönlich, sprich individueller Natur ist. Für diese These sprechen die regelmäßig guten Teilnehmerzahlen der SocialBars bei gleichzeitig hoher Auslastung der NPO-Mitarbeitenden, von denen bei Gesprächen mit an unserem Forschungsprojekt Interessierten immer wieder die Rede war. Diesen individuellen Interessen wollen wir mit dem ersten Part unseres Interviews gerecht werden. Frei nach dem Motto „Erzähl doch mal“ wollen wir also versuchen den persönlichen Bezug zur SocialBar zu ergründen.

Im zweiten Teil soll es um die jeweiligen Organisationen und deren Strukturen gehen. Für die institutionalisierten (oder gar ritualisierten) Formate des organisationalen Austausches sind Hierarchien dabei sicherlich von großer Bedeutung, abseits derer interessiert uns hier aber auch, wie in der jeweiligen Organisation und speziell im Arbeitsbereich der Teilnehmenden informell kommuniziert wird. Auf Grundlage eigener Erfahrungen gehen wir von der These aus, dass ein Gros der Informationen nicht in institutionalisierten Formen des Austausches, sondern informell weiter gegeben wird (Stichwort #Kaffeeecke oder #Raucherpause). Es sind hier also weniger Geschichten aus der SocialBar, als viel mehr Geschichten und Beispiele aus den jeweiligen Organisationen gefragt.

Im dritten Teil dieses Interviews soll es schließlich um das Scharnier zwischen persönlich-professionellem Interesse an den Themen der SocialBar und den jeweilig organisationalen Strukturen gehen. Wie wurde also die SocialBar in der Vergangenheit genutzt? Nach dem zuvor Geschichten aus der SocialBar und den Organisationen erzählt wurden, sind es nun Beispiele und Geschichten aus dem Feld zwischen diesen Gebilden. Interorganisational Storys könnte man das vielleicht nennen und hoffentlich mit anschaulichen Beispielen ausschmücken.

Wenn Sie (oder du) auch gern eine Geschichte aus der SocialBar erzählen oder von Erfahrungen mit formellem oder informellem Austausch in Non-Profits berichten wollen, vielleicht sogar eine Story aus dem interorganisationalen Bereich zu bieten haben, freuen wir uns auf Kommentare, E-Mails oder vielleicht auch den ein oder anderen Bericht im Corporate Blog.