Erste Ideen für ein globales Forschungsnetzwerk zur SocialBar

Über einen ersten Teil unserer Sessions am vergangenen Freitag auf dem Berliner SocialCamp hatten wir bereits berichtet. Es gibt aber noch mehr: Neben der Diskussion von Ansatzpunkten für die Weiterentwicklung der einzelnen SocialBars auf der Grundlage unserer Forschungsergebnisse, kam auch die Idee eines transparenten Forschungsnetzwerkes zur Sprache, das sich des Formates an den verschiedenen Standorten annimmt und zu dessen systematischer Weiterentwicklung beiträgt.

Durch das Prinzip des Social Franchise gibt es die SocialBar bereits in 14 — meist größeren — Städten, von denen die meisten mindestens eine Hochschule (BA, FH oder Uni) haben. Diese lokale Anbindung an Forschung und Lehre sollte ernsthaft genutzt werden. Hier steckt viel Potential! Auf der einen Seite ist die SocialBar als informeller Lernort und Abwandlung des sich rasant verbreitenden BarCamp-Formates für Forscherinnen und Forscher recht attraktiv, auf der anderen Seite werden in vielen — vor allem geistes- und sozialwissenschaftlichen — Studiengängen Projektmodule implementiert, in denen die Studierenden das Forschen lernen sollen.

Nun können wir natürlich nur von unseren eigenen Erfahrungen sprechen, doch das hochschultypische Für-Die-Schublade-Arbeiten finden wir weitgehend frustrierend. Die hochschulinterne Studienberatung zum 204ten Mal zu beforschen um schließlich zum 205ten Mal festzustellen, dass sie so nicht funktioniert, erscheint uns als blanke Ressourcenverschwendung. Sicherlich wird der ein oder andere kritische Geist hier einwenden, dass studentische Forschungsergebnisse nicht uneingeschränkt ernst zu nehmen sind, weil sich die Studies zum einen nicht 100%ig auf das Forschungsthema einlassen können (sie haben ja auch noch anderes zu tun) und zum anderen als Forscherinnen und Forscher in Ausbildung mit zu Sicherheit neigender Wahrscheinlichkeit Fehler machen. Das mag auch richtig sein, doch glauben wir gerade mit der Idee eines Forschungsnetzwerkes hier gegensteuern zu können.

Die Idee ist recht einfach: Interessierte Orga-Teams nehmen im ersten Schritt Kontakt mit den ansässigen Hochschulen auf und stellen die SocialBar als potentielles Forschungsfeld vor. Dabei gilt es natürlich die SocialBar scientifical sexy anzupreisen, also als Forschungsgegenstand besonders interessant zu machen. Ansatzpunkte könnten dabei folgende sein:

  • Das SocialBar-Team ist an Forschung grundsätzlich interessiert, steht Rede und Antwort und Hilft bei der Suche nach Netzwerkpartnerinnen und -partnern.
  • Die SocialBar ist ein recht neuer, alternativer Lernort, der sich gegenüber herkömmlichen Formaten wie Stammtischen durch seine Offenheit auszeichnet.
  • Das SocialBar- und BarCamp-Format ist noch nicht umfassend beforscht. Man kann hier noch neues herausfinden.
  • Die SocialBar ist ein Treffpunkt vieler Partnerinnen und Partner, die auch für berufliche Entwicklungsperspektiven der Forschenden interessant sein könnten.
  • So die Ergebnisse qualitativ gut sind, haben sie gestaltende Auswirkungen (impact) auf die SocialBar (vor Ort oder auch global).
  • Vorgängige Forschung zur SocialBar ist einfach zu finden, bei Fragen und Problemen wird geholfen.

Im zweiten Schritt muss es gelten über die Konditionen eines netzförmigen Miteinanders nachzudenken. Soll um die SocialBar ein globales Netzwerk von Forschenden aufgebaut werden, müssen vor allem die Forschenden selbst dieses Netzwerk speisen — wobei im Sinne der eben genannten Bereitschaft sich beforschen zu lassen natürlich auch die Orga-Teams angesprochen sind. Durch die regelmäßige Berichterstattung über die eigene Arbeit, die Bereitstellung und Diskussion der Ergebnisse (online wie offline) und die Bereitschaft — zumindest eine gewisse Zeit — nach der eigenen Arbeit Hilfestellung für andere Forschende zu geben könnte ein verlässliches Netzwerk aufgebaut werden, mit dem wiederum neue Forschungsteams gewonnen werden können.

Es gilt also über so etwas wie einen Forschungsvertrag nachzudenken, mit dem die wissenschaftliche Evaluation und fundierte Weiterentwicklung der SocialBar effizient und nachhaltig gestaltet werden kann. Folgende drei Punkte könnten für solchen Vertrag Denkanstöße bieten:

  • Die Forschenden berichten regelmäßig und öffentlich über ihre Arbeit. Dabei können alle Bereiche des Forschungsprojektes von den Methoden über die impliziten Vorannahmen und die Arbeitsorganisation bis zu Dokumentensammlungen und (Zwischen)Ergebnisse Thema sein.
  • Die Forschenden verpflichten sich ihre Ergebnisse — zumindest im Ausschnitt — unter einer offenen Lizenz (CC) öffentlich zur Verfügung und Diskussion zu stellen. Sollten die Ergebnisse nicht wissenschaftlichen Ansprüchen genügen (das entscheidet natürlich der begleitende Prof.), sollte Nachfolgenden zumindest ein lesson learnd unter gleichen Bedingungen bereit gestellt werden.
  • Die Forschenden verpflichten sich für eine gewisse Zeit nach Abschluss ihrer Arbeit für Fragen und Hilfestellungen zur Verfügung zu stehen. Dabei sollten sie andere Forschungsteams vor allem an die richtigen Ansprechpartner(innen) bzw. Quellen verweisen als selbst Lehrerinnen und Lehrer zu spielen.

Als zentraler Knotenpunkt eines SocialBar-Forschungsnetzwerkes könnte dieser Blog hier dienlich sein. Ein potentielles Vorbild könnte bspw. der zentrale — recht wüst aussehende — Blog der NPO-Blogparade abgeben. Dieser wird vor allem durch automatische Rückverlinkungen (Trackbacks) von anderen Blogs gepflegt und so zu einem aktuellen Inhaltsverzeichnis laufender und abgeschlossener Runden, was sich auch auf aktuelle und vorgängige Forschungsprojekte übertragen ließe. Eine andere Variante wäre das Modell eines Hostblogs, auf dem die regelmäßigen Updates veröffentlicht werden und der komplett unter Creative Commons Lizenz gestellt werden könnte.

Schlussendlich bleiben alle vorgeschlagenen Punkte natürlich diskussionswürdig. Inwieweit sich die einzelnen SocialBar-Orgas bereit erklären die Kontaktaufnahme mit ansässigen Hochschulen zu stemmen (Und das ist erfahrungsgemäß keine ganz einfache Aufgabe!) muss ihre jeweilige Entscheidung bleiben. Mit einem Web web-basierten Forschungsnetzwerk — das sei aber noch abschließend erwähnt — würde die SocialBar-Bewegung aber einen konsequenten Schritt machen, der auch ihren alternativen Charakter und den Anspruch der Vermittlung neuer Wege der Kommunikation, Kooperation und Kollaboration (in diesem Fall an die Wissenschaft) widerspiegelt. Was meint ihr?

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8 Antworten to “Erste Ideen für ein globales Forschungsnetzwerk zur SocialBar”

  1. Herbert Schmidt Says:

    Hallo Hannes,
    ist ein interessanter Ansatz, den Sie da vortragen. Wir hatten bei unserer 1. Socialbar eine tolle Mischung von Teilnehmern.

    Der Altersmix war auch sehr gut, 3 Seniorenvertreter, 1 NGOler, 1 von der Stadt, 4 Piraten !!, 1 Grüner, 1 Dame aus einer Bildungseinrichtung, die der SPD relativ nahe steht, niemand von der Industie (kommt aber noch, denn die hatten andere Termine), 1 Dame von der hiesigen FH, die UNI war leider, totz vorheriger Zusage, nicht vertreten.

    Diese Mischung möchte ich erhalten, damit kommt ein Fokus auf die Hochschule eigentlich nicht in Frage. Werde das aber gern beim nächsten Treffen zur Diskussion stellen.

    Unsere Anstrengungen gehen noch dahin, dass wir Teilnehmer mit Migrationshintergrund suchen und echte Journalisten.

    Bin gespannt, was die anderen Orgateams sagen. Auf jeden Fall werden wir im nächsten Jahr die 4 bayerischen Standorte von Socialbars bei einem Workshop zusammenbringen. Wenn wir das Geld beschaffen können, findet dieses Treffen am 22.3. in Nürnberg statt.

    Viele Grüße
    sendet
    Herbert Schmidt

  2. Hannes Jähnert Says:

    Hallo Herr Schmidt, mit der Idee des Forschungsnetzwerkes ist nicht gemeint, dass wir die SocialBar in eine Veranstaltung für Forscherinnen und Forscher umstricken wollen oder vor haben irgendeinen Schwerpunkt in diese Richtung zu setzen. Es geht darum die SocialBar zu beforschen, zu evaluieren und weiter zu entwickeln. Eben so ähnlich wie Katrin und ich es getan haben. Dazu sind Kontakte zur Uni und FH sehr nützlich. Sie sind in Würzburg also in bester Ausgangslage.

    Beste Grüße

  3. Herbert Schmidt Says:

    Natürlich sind wir auch dabei, wenn es darum geht das Phänomen der Socialbar zu erforschen bzw. Beiträge zu liefern.
    Viele Grüße
    sendet
    Herbert Schmidt

  4. Tweets that mention Erste Ideen für ein globales Forschungsnetzwerk zur SocialBar « Aktuelles zum Forschungsprojekt "Wissenstransfer aus der SocialBar" -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by Hannes Jähnert and Hannes Jähnert, Stefan Zollondz. Stefan Zollondz said: RT @foulder: Frisch gebloggt: Erste Ideen für ein globales Forschungsnetzwerk zur SocialBar: http://is.gd/hMdGv #SocialBar #Forschungspr … […]

  5. Sophie Says:

    Hallo Hannes & Katrin,

    jetzt habe ich mir die Zeit genommen den Artikel zu lesen, bevor ich Euch heute Abend sehe😉
    Ich finde den Ansatz klasse – er hat ausreichend Potenzial um erfolgreich zu sein und wäre nicht nur inhaltlich sehr weit vorne mit dabei, sondern sicherlich auch als Methode in der deutschen Forschungslandschaft (und sicherlich der gesamten deutschen Forschungslandschaft, nicht nur der „studentischen“).
    Der größte Haken ist der, den Ihr auch schon benennt: dass die lokalen Socialbars die Kontaktaufnahme zu den lokalen Unis stemmen sollen. Zum Beispiel in Bremen kann ich mir vorstellen, dass das gut klappen kann, da die Socialbar da von Leuten organisiert wird, die selber an einem Forschungsinstitut arbeiten – Eure ersten Ansprechpartner würde ich sagen😉
    In den anderen Städten bedarf es wahrscheinlich eines Organisators der „den Köder frisst“.
    ABER: ich kann mir vorstellen, dass es möglich ist für so ein Projekt eine Förderung zu bekommen und habe da auch schon eine Idee. Sprecht mich heute Abend mal an und vielleicht können wir sogar vor Weihnachten noch was machen!

    Danke Euch und bis heute Abend
    Sophie

  6. Hannes Jähnert Says:

    Hallo Sophie, ich glaube für den Aufbau eines solchen Netzwerkes braucht es ‚Geduld und Spucke‘. Dass die Bremer — auf die ich gedanklich auch schon gesetzt habe — deiner Ansicht nach einen Zugang biten könnten, ist eine wertvolle Info. Ich glaube, wir hatten sogar schon einen Kommentator aus Bremen, der (ergo) von unserem Forschungsprojekt gehört hat, sich dafür interessierte und jetzt vielleicht auch kontaktiert werden sollte. Ich werde dich heute Abend mal anquasseln; bin gespannt, was dir so vorschwebt😀

  7. Forschungsbericht zum Wissenstransfer aus der SocialBar | www.hannes-jaehnert.de Says:

    […] ist es geschafft! Unser Forschungsbericht zum Wissenstransfer aus der SocialBar ist online. Wie an anderer Stelle bereits angedacht haben Katrin und ich uns noch einmal dran gesetzt und auch noch die letzten […]

  8. Forschungsbericht zum Wissenstransfer aus der SocialBar « Aktuelles zum Forschungsprojekt "Wissenstransfer aus der SocialBar" Says:

    […] ist es geschafft! Unser Forschungsbericht zum Wissenstransfer aus der SocialBar ist online. Wie an anderer Stelle bereits angedacht haben Katrin und ich uns noch einmal dran gesetzt und auch noch die letzten […]

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