Soziales Kapital – der Stoff aus dem Ideen gemacht werden?

Christian Kreutz schrieb kürzlich in seinem Blog über den Wissenstransfer und die Orte und Tools, die dafür in Frage kommen. Nebenher verlinkte er eine Aufzeichnung des TED-Talk von Steve Johnson zu der Frage, die auch uns im Rahmen unserer Untersuchungen der Berliner SocialBar brennend interessierte:

Where do good ideas come from?

Natürlich kommen gute Ideen genauso wenig aus dem Internet wie Strom aus der Wand. In der Grafik, die Kreutz seinem Beitrag beistellte (s.o), ist Twitter demgemäß auch ganz weit unten zu finden. Ideen als (neuronale) Netzwerke kommen — so Johnson — eher durch den Austausch von Teilideen zustande, die sich m.U. noch nicht einmal ohne weiteres ausdrücken lassen. Irgendwo im Hinterkopf geistert ein Gedanke herum, der vielleicht interessant sein könnte, leider nur fehlt das passende Problem (oder anders herum).

Es fällt uns Menschen offenbar schwer Probleme zu formulieren, für die wir keine Lösung kennen. Kaum formulieren wir nämlich ein Problem, purzelt eine vermeintliche Lösung auch schon hinterher. Meistens mehr Geld, mehr Zeit oder ähnliches. Auf die Fehenfrage, was wäre anders, würde morgen alles gut, zumindest finden wir immer eine Antwort. Wirklich kreativ sind die Lösungen dann aber meistens nicht.

Anders, wenn Menschen zusammenkommen und sich ungezwungen austauschen: Im Liquid Network fließen die unfertigen Spinnereien einfach nur so durch den Raum und lassen sich miteinander zu dem Netzwerk verknüpfen, das Johnson als Idee beschreibt. (Dem Bild im Video zu folge wäre das dann eine Schnapsidee) Das dürfte vor allem auf kleinere, interessenhomogene Gruppen zutreffen. Die Mitglieder dieser Gruppen, die zunächst nur ein Grob formuliertes Interesse teilen, lernen sich gegenseitig kennen und vertrauen; sie legen damit den Grundstein für freien, ungezwungenen Gedankenaustausch, schließen andere damit aber zunächst aus.

Das was in diesen Gruppen aufgebaut wird, könnte man nun als „bonding social capital“ (Putnam 2001) bezeichnen. Eine Homogenisierung nach innen geht mit einer starken Abgrenzung nach außen einher. Außenstehende können an diesem Sozialkapital — das Putnam übrigens als gemeinschaftliches, nicht wie Bourdieu als kollektives Gut begreift — nicht partizipieren, weil ihnen das Vertrauen der Anderen fehlt. Vor allem Neulinge, die mit dem typischen Gebaren der Szenemitglieder noch so ihre liebe Müh’ haben, sind hier im Nachteil. Sie müssen sich erst orientieren und Vertrauen zu den anderen aufbauen um irgendwann gemeinsam mit ihnen gute Ideen entwickeln zu können. Das ist ein langwieriger Prozesse („The slow Hunch“), der sich letztendlich aber lohnt.

Schlagwörter: , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: