Auswertungsphase: Methode und Vorgehen

Da hatten wir eine halbe taz im Spitzer

Da hatten wir eine halbe taz im Spitzer

Seit nunmehr zwei Wochen sind wir schon in der dritten Phase unseres Forschungsprojektes „Wissenstransfer aus der SocialBar“, das mittlerweile den präzisierenden Untertitel „eine qualitative Studie zu den Nutzungsgewohnheiten von Teilnehmenden“ trägt. Gern wollen wir an dieser Stelle von unserer so arbeits- und zeitaufwändigen wie spannenden Auswertung berichten. Natürlich können wir an dieser Stelle noch nicht von Erkenntnissen sprechen — möglich sind aber Fragen, die wir auch schon in die Twitter-Community gaben (in dieser Reihenfolge):

  1. „Wie wichtig ist der Inhalt der Vorträge auf der SocialBar?“
  2. „Welche Tragweite haben informelle Absprachen auf der SocialBar?“
  3. „Findet die SocialBar im realen Leben statt oder ist sie so etwas wie ein Außenposten des Cyberspace?“

Wichtig zu wissen hierbei: Diese Fragen haben wir uns nicht einfach ausgedacht. Sie ergaben sich bei der noch sehr ausführlichen Analyse unseres ersten Eingangsinterviews. „Ergaben“ heißt hier auch nicht, dass sie von der Interviewpartnerin (wir verwenden hier einfach mal das generische Femininum) gestellt wurden — nicht einmal indirekt. Vielmehr stießen wir bei der Analyse auf Brüche und Widersprüchlichkeiten, aus denen sich eben diese Fragen ergaben.

Im Rahmen unseres Forschungsprojektes ist es nun nicht das Ziel auf diese Fragen eigene, rationale, logische, schlüssige Antworten zu finden. Von Beginn an waren wir darauf aus Geschichten, Berichte und Anekdoten unserer Interviewpartnerinnen zu dokumentieren, in denen sich ihre Sicht — ihre Konstruktion von Welt — widerspiegelt. Die Interaktionen auf der SocialBar und damit auch ihr Erfolg hängen schließlich zuallererst von eben diesen Vorstellungen und den daraus resultierenden Nutzungsarten ab — nicht von irgendeiner allgemeingültigen Ratio.

Diese Art der qualitativen Interview-Analyse geht weit über die einfache Wiedergabe von Expertinnen-Interviews hinaus. Auch wenn hin und wieder einige wichtige Hinweise in unseren Interviews auftauchten, ist es nicht nur das Was sondern auch das Wie und Von Wo (aus welcher Position) gesprochen wurde, das uns wichtig ist.

Doch wie funktioniert das nun? Für an der qualitativen Forschung Interessierte hier ein Abriss über unsere Auswertungsmethode:

Unsere Auswertungsmethode basiert auf der Grounded Theorie von Glaser/Strauß. Ziel dieser Methode ist es eine gegenstandsverankerte Theorie zu entwickeln. Anhand der erhobenen Daten — in unserem Fall mehr als 20 Interviews und drei ausführlich dokumentierten SocialBar-Veranstaltungen — werden Kodes gebildet, aus denen anschließend die Theorie entsteht.

Zunächst mussten wir dafür die Interview-Transkripte thematisch gliedern. Die Gliederung nach Ober- und Unterthemen half uns einen Überblick über die zwölf bis zu 17-Seitigen Transkripte zu bekommen und eine Textauswahl gemäß unserer Forschungsfrage zu treffen. Wir stellten jeweils drei Textauswahlen zusammen:

(a) Input und Diskussion: Was wird vermittelt?
(b) Networking und informeller Austausch: Was wird vermittelt?
(c) Transfer in die Organisation: Wie gestaltet sich der Transfer?

Die Textauswahlen unseres ersten Interviews — wir entschieden uns einfach für das umfangreichste — nahmen wir sehr genau unter die Lupe. Wir zerlegten jede Textstelle in mehr oder weniger lange, sinnhafte Einheiten, die wir im Anschluss einzeln von oben nach unten und links nach rechts kodierten (bzw. analysierten). Auf diese Weise wurden wir auch auf interessante Brüche und Widersprüche aufmerksam, die wir sonst wahrscheinlich überlesen hätten. Diese besonders interessanten Stellen, nahmen wir uns dann auch teilweise Wort für Wort vor.

Aus den handschriftlich erstellten Kode-Notizen — teilweise zehn und mehr Seiten mit Bleistift beschriebenes Papier pro Textauswahl — erarbeiteten wir Kodes, die auf eine etwas abstraktere Ebene abhoben, sich aber weiterhin durch den Text belegen ließen. Ziel dieser zweiten Ebene der Kodierung war es vom einzelnen Fall, dem Fall unserer ersten Interviewpartnerin, auf eine etwas allgemeinere Ebene zu kommen.

Anhand dieser abstrakteren Kodes, untersuchen wir in den folgenden Tagen die anderen Interviews auf mögliche Übereinstimmungen bzw. — noch viel interessanter — Kontraste. Da wir verschiedenen Nutzungsarten regelmäßiger Teilnehmerinnen der SocialBar auf der Spur sind, suchen wir in unserem Material nach dem größt-möglichen Kontrast. So hoffen wir am Ende unserer Auswertung nicht nur vom Was und Wie der SocialBar, sondern auch von einer Spannbreite möglicher Nutzungsarten der SocialBar berichten zu können.

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2 Antworten to “Auswertungsphase: Methode und Vorgehen”

  1. Tweets that mention Auswertungsphase: Methode und Vorgehen « Aktuelles zum Forschungsprojekt "Wissenstransfer aus der SocialBar" -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by Hannes Jähnert and socialbar_hannover, socialbar_hannover. socialbar_hannover said: RT @foulder: Neues vom #Forschungsprojekt "Auswertung: Methode und Vorgehen" http://is.gd/er2OB Wir freuen uns auf euer Feed-Back #Blog #SocialBar […]

  2. Hannes Jähnert Says:

    Christian Henner-Fehr schrieb auf Facebook:
    „Außenposten des Cyberspace“ klingt gut.🙂 Aber was das Forschungsprojekt angeht, stelle ich mir die Frage, ob es nicht eher andersherum zu sehen ist. Der Cyperspace als Außenposten der Offline-Welt. Vielleicht macht diese Unterscheidung auch gar keinen Sinn mehr und wir erleben einfach, dass zwei Bereiche zusammen wachsen.“

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