Kurz notiert: BarCamps in Südostasien

Thomas Wanhoff berichtete auf dem KoopTech-Blog kürzlich von seinen Erfahrungen mit dem Web in Südostasien. Wanhoff, der seit drei Jahren in Kambodscha, Vietnam und Laos lebt und dort auch BarCamps ins Leben rief, berichtet, dass auch die Länder in Südostasien in ihrer technischen Entwicklung keinesfalls hinterher hinken. Ganz im Gegenteil! Die Internetanbindung in Laos bspw. wird via Wimax bereitgestellt, wohingegen in manchen Regionen Deutschlands noch über die unsinnig-teure Renovierung der Kabelverbindung diskutiert wird.

Interessant sind an dieser Stelle aber eher die BarCamps, von denen Thomas Wanhoff berichtet. Genauer gesagt, scheint mir daran interessant, wer den in Kambodscha, Vietnam und Laos BarCamps besucht.

Schenkt man gängigen und teilweise auch vielzitierten Studien über kulturelle Unterschiede im intellektuellen Stil und Gusto des Kooperationsdesign Glauben, kommt man nicht umhin Wanhoff zuzustimmen der zum Thema asiatischer BarCamps als Un-Konferenz meint,

„Spontanes Vortreten, unorganisierte Veranstaltungen sind nun wirklich nicht Sache der Asiaten, möchte man meinen.“

Doch es sind natürlich nicht die Asiaten! Zum einen gibt es auch in Asien Frauen zum anderen entwickelt sich Stil und Gusto im Zuge der vielverteufelten kulturellen Globalisierung ständig fort.

In Südostasien scheinen es eher die Mitglieder elitärer Milieus zu sein, die sich am augenscheinlich hierarchiefreien Zusammenkommen erfreuen – ja ihm teilweise nachreisen (Barcampnomads). Führt man sich nun die ungeheuren Unterschiede zwischen Arm und Reich vor Augen, von denen auch Wanhoff berichtet, sollte das zumindest für Kambodscha und Laos deutlich sein. Kann von den „Web-Geeks“ auf der einen Seite die kostspieligste Technik zelebriert werden, ist auf der anderen Seite — die wohl ein Gros der Gesamtbevölkerung darstellen dürfte — noch nicht einmal an einen Stromanschluss zu denken (<2$/d).

Quelle: Weltbank, Weltentwicklungsbericht 2007

Quelle: Weltbank, Weltentwicklungsbericht 2007

Die Frage, die sich hieraus ergibt, ist die nach den deutschen BarCamperinnen und –Campern. Gehören auch sie zur gesellschaftlichen Elite? Sieht man in Südostasien stark kontrastiert, was sich bei uns vor dem Hintergrund übergreifender Schwerpunktthemen (Datenschutz, Urheberrecht, Informationsfreiheit usw.) eher blass abzeichnet. Ich glaube schon. Zum einen lässt sich der Begriff „Elite“ ja nicht nur an ökonomischem Kapital festmachen und zum anderen lassen sich elitäre Milieus gut daran erkennen, dass sie vom Mainstream nachgeahmt werden.

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